Die neue EP „The Sun Sleeps, As If It Never Was“ von den UNFD-Neulingen Invent Animate ist seit dem 23. September am Start.
Und der erste Eindruck deutet daraufhin: Kurz, aber vielversprechend!
Das 2020er Album „Greyview“ hat die Jungs auf meinen festen Bandradar gebracht. Deswegen war ich zunächst etwas enttäuscht, dass – abgesehen von dem bereits veröffentlichten Teaser-Song „The Sun Sleeps“ und einem Interlude – nur ein weiterer full-length Track „As If It Never Was“ auf der EP zu finden war.
Konzeptionell kann die EP aber dennoch überzeugen. Basierend auf einer Drogenkrise im privaten familiären Umkreis von Drummer Trey Celaya soll die EP je Track zwei unterschiedliche Perspektiven schildern und zeigen, dass manchmal eine kompliziertere Geschichte hinter Drogenmissbrauch steckt – vor allem was die Langzeiteffekte betrifft.
Sinnbildlich dafür steht das Cover: Oberhalb ist ein mit warmen Farben versehener Sonnenuntergang zu sehen, stehend für den Song „The Sun Sleeps“ und unterhalb die Kehrseite einer schwarzen Sonne – „As If It Never Was“.
Tracklist:
1. The Sun Sleeps
2. ,
3. As If It Never Was
Los geht’s mit „The Sun Sleeps“
Der erste Track beschreibt, wie es überhaupt in den Zustand des Drogenmissbrauchs kommen kann. Mit einem melodisch-stimmungsvollen Intro startet der Song vergleichbar langsam und reiht sich perfekt im Zeitgeist des modernen Metalcores ein. Sobald die Vocals starten, wird der Hörer rechtschnell in den Strom und die Power mitgerissen. Damit bringt Markus Vik – der erst seit dem Album „Greyview“ Part von Invent Animate ist – das angepeilte Konzept kraftvoll, emotional auf den Punkt. Passend zu den Vocals eskaliert der Takt vollkommen, verliert scheinbar die Kontrolle und löst das kribbelnde Gefühl à-la jetzt-geht’s-los aus, welches ich an manchen Metalcore-Songs so liebe.
Deswegen trifft der Drummer Trey mit der Intention von „The Sun Sleeps“, meiner Meinung nach, den Nagel auf den Kopf:
“We wanted to explore both sides of a deeply painful situation, and to draw out how nuanced and weird and difficult these things can be. I think people are learning in the modern day it’s not as simple as ‘this is just a bad person, and they were addicted to drugs and they did it to themselves’, there’s always a string of trauma and things that are not dealt with and stigmatised mental health that sets off a spiral. Even if one person is clearly in the wrong, it doesn’t exempt them from being a victim in another sense-“
, – Interlude
Das Bindeglied zwischen den Songs bildet das instrumentale Interlude, welches die beide Tracks sinnbildlich auch durch seinen Komma-Titel unterteilt und verbindet. Die konzeptionelle Lichtmetaphorik fühlt sich hier einerseits wie der Anfang und andererseits wie das Ende an – erinnernd an den Zustand der Dämmerung. Es lässt den Hörer eintauchen und geht unmittelbar zum dritten Track über. An sich halte ich es für unsagbar ästhetisch, würde aber nicht unbedingt, wie z. B. bei den Interludes im Whitechapel Album, das Verlangen haben, es für sich stehend zu hören.
„As If It Never Was“
Wieder beginnt der zweite und damit letzte Song „As If It Never Was“ der EP vergleichbar sanft mit Cleangesang.
„Runaway, are you so fragil?“
Unsicherheit und Hoffnungsschimmer attackiert von ständigen Misstrauen – von Sekunde 1 transportiert dieser Song all die gemischten Gefühle von den hilflosen Angehörigen eines Suchtbetroffenen. Mit einem wellenartigen Rhythmus holt der Song den Hörer emotional ab und liegt auf eine gute, melancholische Weise schwer im Magen. Insbesondere die Vocal-Parts sind extrem auf den Punkt und spiegeln die Verzweiflung wider:
„You give me no faith
Because love is not enough for me”
Fazit
Und exakt darin liegt die Stärke der EP: Konzeptionell durchdacht berührt das Album mit ehrlicher Authentizität und beweist, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss, um guten, modernen Metalcore zu produzieren. Eine erfolgreiche Fortsetzung, welche die Erwartungen nach „Greyview“ aufrechterhalten kann, deswegen gibt’s auch 10 von 10 Punkte.
Autorin: Natascha Tez





