AllgemeinReview

AllgemeinReview

AllgemeinReview

blessthefall – Gallows

Nach einer kleinen siebenjährigen Päuschen sind blessthefall endlich mit einem neuen Album „Gallows“ (Label: Rise Records / BMG / Universal) zurück. Ihr letzter Langspieler „Hard Feelings“ (2018) wurde einfach vor der Pandemie veröffentlicht – das muss man sich mal vor Augen führen. Neben einigen kleineren US- & Kanada Touren war es während dieser Jahre weitestgehend ruhig um Beau Bokan (Gesang), Eric Lambert (Gitarre), Jared Warth (Bass) und Elliott Gruenberg (Gitarre). Umso größer ist natürlich die Erwartungshaltung von den Fans.

Trotz langer Pause sind blessthefall an ihre neueste Platte mit ihrer üblichen Entspanntheit und der klassischen Prise Humor gegangen, die wir noch von ihren wohl bekanntesten Song „Hey Baby, Here’s That Song You Wanted“ kennen.

Gallows ist die Krönung von allem, was wir am Schreiben von Musik lieben. Wir haben uns Zeit genommen und nur geschrieben, wenn wir uns wirklich inspiriert fühlten. Jeder Song auf diesem Album wurde aus einem Ort der Aufregung und Freiheit heraus geschrieben, und das kann man hoffentlich jedem Track anhören. Von den Schreien über einige der ekelhaftesten Heavy-Parts, die wir je geschrieben haben, bis hin zu massiven Mitsing-Refrains, ist für jeden etwas dabei. Egal, ob du ein eingefleischter BTF-Fan der ersten Stunde bist oder uns zum ersten Mal zuhörst, ‚Gallows‘ dürfte in deinen Top 3 der Metalcore-Alben des Jahres 2025 landen.„, so Frontmann Beau Bokan.

Appetithappen über Appetithappen

Mit „Wake The Dead“ fixte blessthefall die Fans bereits 2023 auf neues Material an. Schnell, energiegeladen und mit einer Nostalgie des Metalcores aus dem letzten Jahrzehnt – danach wieder Stille. August 2024 folgt das Alpha-Wolves-Feature „Drag Me Under“, welches einen Metallic-Hardcore-Flow mit dem klassischen Sound blessthefalls verbindet. Beides starke Titel, die für sich stehen.

Einen weiteren Appetithappen gab es dann endlich dieses Jahr mit „mallxcore“. Die Albumankündigung folgte. Auch hier darf sich blessthefall auf die Schulter klopfen. Dass der Titel eine Anspielung auf die Hater von r/Metalcore ist, nimmt „mallxcore“ nämlich keineswegs seine atmosphärische Wirkung, die einen direkt an die Hollow Bodies – Platte denken lässt. Zudem lässt der finale Breakdown in mallxcore eine nostalgische Crabcore-Stimmung aufkommen.

Melancholie mit „Fell So Hard, Felt So Right“

Mit „Fell So Hard, Felt So Right“ kündigt sich die bisherige letzte Singleauskopplung vor Albumrelease an. Das Feature mit Dan Marsala ist einen Ticken softer und melancholischer. Es verleiht einem aber erneut das Gefühl von Nostalgie zum Mitsingen.

Dieser Song handelt von den drastischen Veränderungen, die wir in Beziehungen durchmachen, und davon, dass man nie alles sein kann, was jemand braucht“, erklärt Bokan. „Den ‚Perfekten‘, nach dem wir immer suchen, gibt es nicht, also muss man an sich selbst glauben und ihm vertrauen. Der Song hat einen so nostalgischen Retro-Sound, dass Dan von Story of the Year das Tüpfelchen auf dem i war.

Absolute Wellenbrecher: „Venom“ & „Gallows“

Mit „Venom“ gibt es die erste Überraschung. Der dritte Titel der Tracklist hat es deftig in sich, obwohl blessthefall nach wie vor nach dem Schema F arbeitet, hat „Venom“ einfach alles, was ein abwechslungsreicher Metalcore-Song haben muss: Eine mitreißender Refrain, atmosphärische Synths gepaart mit Breakdown über Breakdown, die immer länger und intensiver werden.

Noch überzeugender ist allerdings der Titelträger „Gallows“, der direkt ins Geschehen startet und punktgenau harte Passagen einbaut. Weiterhin bleibt erstaunlich, dass blessthefalls Clean-Refrain fast schon an Pop-Songs erinnert und sie dennoch eine fließende Brücke zur vollkommenen Eskalation bauen. Verhältnismäßig schwach schneidet „Light The Flame“ ab, das sich ebenfalls intensiv auf Klargesang konzentriert, aber irgendwann etwas repetitiv erscheint.

Ausreißer mit „Somebody Else“

Aus dem Schema fällt „Somebody Else“, das erst mit starken Synth-Einsatz und ruhigen Cleans für Atmosphäre sorgt und einen mit einer anschwellenden Melancholie durch den gesamten Song trägt. Bis auf den klassischen blessthefall-Refrain fällt „Somebody Else“ – dadurch und mit seinem plötzlich ausbrechenden Breakdown – erfrischend aus der Reihe.

Ein Abgang mit Knall

Heftig knallen lässt es das Quartett nochmal mit „Y.S.A.B“. und „This Ends With Us“ . „Y.S.A.B.“ präsentiert sich wütend und fegt einem nur so um die Ohren. Außerdem fliegen die Lyrics einem nur so um die Ohren. „This Ends With Us“ wagt sich tatsächlich an etwas andere Strukturen, die vor allem hinsichtlich Flow und Instrumentals mal zu mal eins drauf legen.

Fazit

Blessthefall ist mit „Gallows“ absolut keinem Trend hinterhergerannt. Stattdessen macht das siebte Album deutlich, dass die Vier ganz genau wissen, wer blessthefall ist und was ihren Sound ausmacht. „Gallows“ schafft komplett neue, mitreißende Songs, ohne den Flair, den blessthefall seit der Jugend vieler ausmacht, zu verlieren. Gerade deswegen kann sich Beau Bokan bei „Gallows“ auch mit gutem Recht herausnehmen, es zu den Top 3 Metalcore-Alben von 2025 zu zählen. Hierfür gibt es eine 10/10

Tracklist

  1. mallxcore
  2. Wake the Dead
  3. Venom
  4. Somebody Else
  5. Drag Me Under
  6. Gallows
  7. Light The Flame
  8. Fell So Hard, Felt So Right
  9. Y.S.A.B. – Wütend
  10. This Ends With Us

Info
5. September 2025 
12:00 Uhr
Band
blessthefall
Genre
Metalcore
Autor/en

 Tascha

Fotocredit/s
Pressefoto
Weitere Beiträge