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Abwesenheit von Licht, Anwesenheit von Wahnsinn: THE BUTCHER SISTERS und „Das Schwarze Album“

Nach dem „Weißen Album“ legen THE BUTCHER SISTERS nach – konsequent, kompromisslos und angeblich monumental. „Das Schwarze Album“ heißt das neue Werk, und schon der Titel wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Wir haben nachgehakt: über Farben, Charts, Genregrenzen, Zauberschulen und DNA auf Vinyl.

Nach dem „Weißen Album“ folgt jetzt konsequent „Das Schwarze Album“. Hand aufs Herz: War das von Anfang an als epischer Farb-Zweiteiler geplant – oder ist euch einfach die Farbe ausgegangen?

Stroppo:
Ich wollte gar nicht, dass es das schwarze Album wird. Ich wollte das klebrige Album. Die Oberfläche wäre aus diesem Fliegenfänger-Material.

Alex:
Ich glaube, du bist farbenblind. Das Album ist eindeutig lila. Geh mal zum Augenarzt, ich mache mir ernsthafte Sorgen um dich.

David:
Schwarz ist keine Farbe. Physikalisch ist es die Abwesenheit von Licht und somit die Abwesenheit von Farbe.

Ihr kündigt „Das Schwarze Album“ als härter, kompromissloser und monumentaler an. Was genau bedeutet „monumental“ bei The Butcher Sisters – mehr Gitarren, mehr Wahnsinn oder einfach größere Explosionen im Kopf?

Stroppo:
Das schwarze Album ist wie, wenn man auf dem Klo seine Füße auf so einen Hocker stellt.

Alex:
Wir haben dieses Album – anders als die anderen – zusätzlich zu Vinyl und CD auch aus Beton machen lassen. Das ist wesentlich härter und robuster als dieses gebrechliche Vinyl. Ich würde allerdings nicht damit schwimmen gehen. Außer du bist voll krass.

David:
In der Bildungssprache würde man sagen, das Album ist in großen Dimensionen gehalten und dadurch beeindruckend, ins Gewaltige und Übermächtige gesteigert. Das passt zu uns – charakterlich.

Das „Weiße Album“ hat euch bis auf Platz #11 der Charts und zu rund 20 Millionen Spotify-Streams getragen. Hat dieser Erfolg euren kreativen Druck erhöht – oder euch eher motiviert, jetzt erst recht alles niederzubrennen?

Stroppo:
Ich wollte nie in die Charts. Ich werde mir jetzt noch weniger Mühe geben, aber ich befürchte, das bringt uns dann auf Platz 1. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Alex:
Wer kann von sich behaupten, zweimal gleichzeitig auf Platz 1 zu kommen? Ich denke, wir haben alles erreicht. Das nächste Ziel ist Platz 111. Mal sehen, ob wir das schaffen.

David:
Wie ihr vielleicht im Festival-Vlog gesehen habt, gab es in Spanien eine Auseinandersetzung mit meinem Yacht-Lieferanten. Das Schiff kam nicht wie geplant in Rosé-Gold, sondern in Weiß. Die Extra-Lackierung kostet eine Stange – daher ist der Druck groß.

Mit Songs wie „White Monster“ und „Herr Dokter“ habt ihr zuletzt ordentlich abgeliefert. Wie entstehen solche Tracks bei euch: erst die absurde Idee oder erst der brutale Riff?

Stroppo:
Mal so, mal so. Meistens aber eher so.

Alex:
Ich hab mal so viel Monster getrunken, dass ich zum Arzt musste.

David:
Man sagt übrigens „das“ Riff.

Rap, Rock, Metal, Chaos – The Butcher Sisters lassen sich schwer in Schubladen stecken. Gibt es ein Genre, das ihr bewusst niemals anfassen würdet? Oder reizt euch genau das Verbotene?

Stroppo:
Alles wird angefasst. Vorzugsweise aber Amazing Alex. Ich liebe, wie weich seine Haut hinterm Ohr ist.

Alex:
Ich liebe und kenne jede Art von Musik. Ich habe bestimmt 40 verschiedene Alben auf meinem iPod. Interessant wäre mal ein Crossover aus Rock und Rap.

David:
Wir bewegen uns hier im Bereich der psychologischen Reaktanz – also dem Phänomen, auf Einschränkungen von Autonomie mit gesteigertem Interesse am Verbotenen zu reagieren. Kurz gesagt: Nein. Wir wissen nicht mal, wie man „Superkalifragilistikexpialigetisch“ schreibt.

Live gilt ihr als Naturgewalt – von Wacken bis Rock am Ring. Gab es einen Festivalmoment, bei dem ihr selbst dachtet: „Okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen zu viel“?

Stroppo:
Alex hat mal sein Schwert vergessen und dann live den Drachen zu Boden gerammelt. Danach sagte er ins Mikro: „Ich habe den Drachen tot gefickt.“
Ah, und beim Summer Breeze haben alle „Ausziehen!“ gerufen. Dann hab ich mich komplett ausgezogen und den Pömel mit einem Becken verdeckt. Danach dachte ich auch: hä.

Alex:
Letztes Jahr auf meinem Lieblingsfestival Wacken mussten wir erst um 1 Uhr nachts spielen. Meine normale Zubettgehzeit ist 20:30 Uhr. An wilden Tagen 21 Uhr. Das war hart. Ich war den ganzen nächsten Tag unerträglich. Aber es tut mir nicht leid. Ich hasse Wacken.

David:
Auf dem Reload saßen wir über zwei Stunden im Whirlpool. Meine Finger waren schrumpelig. Das war etwas zu viel.

2026 geht ihr mit der „TBS Rap Rock Zaubershow Tour“ auf Reisen. Können wir wirklich mit Zauberei rechnen – oder ist das einfach der ehrlichste Titel für musikalischen Wahnsinn?

Stroppo:
Es wird für real gezaubert. Uri Geller kann den Löffel abgeben. Ich habe zwei Wochen lang eine Zaubermaschine gebaut. Kein Scheiß. Den Leuten platzt der Arsch.

Alex:
Stroppo lügt! Er hat keine Maschine gebaut. Das ist alles echt! Wir waren letztes Jahr zusammen auf einer Zauberschule in England. Stroppo hat seitdem keine Nase mehr und ich wohne allein in einer Hütte. Wir sind richtig krasse Zauberer jetzt.

David:
Wir haben letzten Sommer alle Eulenpost bekommen. Verrate es keinem, aber ich war bereits bei Ollivanders. Drachenherzfaser und Phönixfeder, 13,5 Zoll, Esche. Ich freue mich auf mein erstes Duell.

„Das Schwarze Album“ erscheint auch in limitierten Sammlereditionen. Was darf bei einer echten TBS-Edition auf keinen Fall fehlen – außer schwarzer Farbe und moralischer Grenzüberschreitung?

Alex:
Wir haben unseren Gesang für eine streng limitierte Vinyl-Version beim Defäkieren aufgenommen. Bei einem von uns war der Druck so groß, dass jetzt die Hüllen und sogar die Aufkleber echte TBS-DNA enthalten. Was will man als Fan mehr?

Stroppo:
Ich habe noch nie eine Grenze überschritten. Ich weiß nicht mal, wo diese sogenannte Grenze liegt.

David:
Es werden interne Informationen über meine Abstammung aus einem alten Hochadelsgeschlecht preisgegeben.

Mit über 220.000 monatlichen Hörern wachst ihr stetig weiter. Spürt ihr diesen Zuwachs konkret – oder bleibt ihr im Herzen die gleiche durchgeknallte Truppe wie am ersten Proberaumtag?

Alex:
Das sind alles digitale Zahlen. Daran glaube ich nicht. Als bei World of Warcraft: Warlords of Draenor die Damage-Zahlen runtergerechnet wurden, fühlte ich mich betrogen. Stell dir vor, Spotify macht das auch – dann gibt’s Chaos.

Stroppo:
Du nennst uns die ganze Zeit durchgeknallt und chaotisch. Das finde ich grenzüberschreitend. Wir sind einfach bodenständige Jungs mit 220.000 Hörern und mehreren Rolex-Uhren.

David:
220.000? Es sind doch 360.000?

Wenn „Das Schwarze Album“ in zehn Jahren als Kapitel eurer Bandgeschichte betrachtet wird – was soll man dann über diese Phase der Butcher Sisters sagen?

Alex:
Ich habe Gestaltung gelernt. Es gibt rund zehn Millionen Farben, die Menschen sehen können. Schwarz und Weiß waren nur der Anfang. Wartet ab, bis das leberwurstrote oder pupsgelbe Album kommt. Diese Farben gibt es wirklich. Ich glaube, man wird sich irgendwann schämen, das schwarze oder weiße Album gehört zu haben.

Stroppo:
Damals waren die noch geil. Schade, dass sie jetzt Goth-Reggae-Ska-Tekk machen.

David:
Alex, Schwarz ist keine Farbe. Ich hatte es oben erklärt.

Also geht auf Tour, schaut euch die Jungs live an und findet selbst heraus, ob Beton wirklich härter ist als Vinyl – und ob ihr danach noch dieselben Menschen seid.

Info
9. Februar 2026 
18:44 Uhr
Band
The Butcher Sisters
Genre
Metalcore Nu-Metal
Autor/en

 Seb

Fotocredit/s
colorbound
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