Mit They Were Always Here liefern Zero 9:36 eine kompakte, düstere EP, die Rap, Alternative Rock, elektronische Schwere und emotionale Offenheit miteinander verschweißt. Neun Tracks, keine Spielereien, kein unnötiger Ballast, stattdessen ein klares Stimmungsbild zwischen innerem Verfall, Widerstand und Selbstbehauptung. Die EP wirkt wie ein bewusst gesetztes Zwischenstatement: kurz, intensiv und thematisch geschlossen.

1. Decay
2. System
3. Here to Bleed
4. Until The Day I
5. Holding On
6. Make a Mess (Feat. No Love For The Middle Child)
7. Disgusting
8. Withdrawals (Feat. Ekoh)
9. Leave It All Behind
Decay – Der langsame Zerfall beginnt
Ein atmosphärisches Intro, das mehr Gefühl als Struktur liefert. Knirschende Sounds, dunkle Texturen und eine latent bedrohliche Stimmung eröffnen die EP. Kein klassischer Song, sondern ein Tor in die Welt von They Were Always Here — effektiv, aber bewusst fragmentarisch.
System – Gegen die Maschinerie
Der erste echte Punch. Treibender Beat, harte Gitarrenakzente und eine Hook, die zwischen Wut und Resignation pendelt. System kanalisiert Frust gegen äußere Zwänge und innere Abhängigkeiten — eingängig, aggressiv, auf den Punkt.
Here To Bleed – Verletzlichkeit als Waffe
Melodischer, emotionaler als der Vorgänger. Zero 9:36 zeigen hier ihre Stärke im Spannungsfeld zwischen verletzlichem Gesang und rauem Vortrag. Der Refrain sitzt, ohne kitschig zu wirken, und trägt den Song souverän.
Until The Day I – Hoffnung im Zwielicht
Ein eher zurückgenommener Midtempo-Track, der Raum zum Atmen lässt. Die Produktion wirkt offener, fast introspektiv. Kein sofortiger Ohrwurm, aber ein wichtiger Baustein für den emotionalen Flow der EP.
Holding On – Festklammern am letzten Halt
Kurz, prägnant, hymnisch. Holding On ist einer der zugänglichsten Tracks der EP und lebt von einer starken Hook und sauber gesetzten Kontrasten zwischen Rap und Gesang. Ein Song, der live problemlos zünden dürfte.
Make A Mess (feat. No Love For The Middle Child) – Kontrollierter Kontrollverlust
Chaotischer Feature-Track mit bewusst unaufgeräumter Struktur. Die Kollaboration bringt zusätzliche Rauheit und Dynamik, wirkt stellenweise aber auch etwas überladen. Trotzdem: authentisch, wild, thematisch passend.
Withdrawals (feat. Ekoh) – Der emotionale Tiefpunkt
Der klare Höhepunkt der EP. Ekoh ergänzt Zero 9:36 perfekt, beide Stimmen tragen die emotionale Schwere des Songs mit beeindruckender Intensität. Melancholisch, ehrlich, nachhaltig — ein Track, der hängen bleibt und nachwirkt.
Disgusting – Hässlich, laut, kompromisslos
Der aggressivste Moment der EP. Harte Riffs, weniger Melodie, mehr Druck. Funktioniert als Kontrast, bleibt aber im Vergleich zu den stärkeren, emotionaleren Songs etwas eindimensional.
Leave It All Behind – Loslassen statt Kapitulieren
Ein stimmiger Abschluss. Der Song wirkt versöhnlich, ohne wirklich hoffnungsvoll zu sein. Statt Pathos gibt es Akzeptanz — ein ruhiger, aber wirkungsvoller Schlusspunkt für die EP.
Fazit:
They Were Always Here ist keine EP für den schnellen Konsum, sondern ein kompaktes Stimmungsstatement. Zero 9:36 beweisen erneut, dass sie sich mühelos zwischen Genres bewegen können, ohne ihre emotionale Glaubwürdigkeit zu verlieren. Nicht jeder Track trifft voll ins Schwarze, aber die Highlights, allen voran Withdrawals, wiegen das mehr als auf. Düster, ehrlich, kantig: genau so muss moderne Alternative-Heavy-Musik klingen.
Gesamtwertung: 7,5 / 10





