Mit Cold 2 The Touch meldet sich die Baltimore-Band Angel Du$t mit ihrem sechsten Studioalbum zurück – und klingt dabei rauer, wütender und kompromissloser als auf den letzten Veröffentlichungen. Das 2026 erschienene Album verbindet klassischen Hardcore-Punch mit überraschenden stilistischen Ausflügen in Power-Pop, Psych-Rock und sogar Funk-Elemente.
Frontmann Justice Tripp knüpft thematisch wieder stärker an die dunkleren Seiten seiner früheren Arbeiten an. Frustration, Isolation und emotionale Kälte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Songs – ohne dabei den Spaß und die Energie zu verlieren, die Angel Du$t seit Jahren zu einer der eigenwilligsten Hardcore-Bands ihrer Generation machen.
Mit nur rund 26 Minuten Spielzeit und elf Songs wirkt das Album wie ein kurzer, aber intensiver Schlag ins Gesicht – roh, experimentierfreudig und gleichzeitig fest im Hardcore-Kosmos verwurzelt.

Schmerz als Auftakt
Der Opener legt sofort die Messlatte hoch. „Pain Is A Must“ startet mit einem schnellen Drum-Fill und entwickelt sich zu einem wütenden Hardcore-Track mit eingängigen Shouts. Inhaltlich geht es um Schmerz und Opfer, die man für das verfolgt, was man liebt – ein thematischer Grundstein für das gesamte Album.
Der Titeltrack ist ein kurzer, hyperaktiver Ausbruch aus rasenden Drums, scharfen Gitarrenriffs und Justice Tripps markantem Gesang. Der Song wirkt wie ein Statement gegen musikalische Beliebigkeit und zeigt die Band in ihrer aggressivsten Form.
Isolation und erste Brüche
„I’m The Outside“ ist ein Song über Isolation und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Musikalisch verbindet der Track melodischere Gitarren mit einer düsteren Grundstimmung – ein gutes Beispiel dafür, wie Angel Du$t Hardcore mit Alternative-Rock-Einflüssen verschmelzen.
„Jesus Head“ schlägt überraschend andere Töne an. Warme, beinahe sonnige Gitarren und ein leicht psychedelischer Groove sorgen für einen der ungewöhnlichsten Momente des Albums und zeigen die experimentelle Seite der Band.
Stilbruch und Kontrollverlust
„Zero“ wirkt wie ein Hybrid aus Southern-Rock-Riffs und Hardcore-Druck. Der Song verbindet groovige Gitarren mit aggressiven Ausbrüchen und gehört zu den musikalisch spannendsten Tracks der Platte.
Kurz, schnell und kompromisslos. „Downfall“ wirkt wie ein klassischer Hardcore-Brecher, der ohne Umwege nach vorne geht und das Tempo des Albums wieder deutlich anzieht.
Chaos trifft Experiment
Einer der experimentellsten Songs der Platte ist „DU$T„. Der Track beginnt überraschend ruhig mit akustischen Gitarren, bevor er sich in chaotische Hardcore-Passagen und sogar einen unerwarteten Funk-artigen Breakdown verwandelt.
„Nothing I Can’t Kill“ ist ein eingängiger Punk-Song mit starken Power-Pop-Hooks. Der Track bildet einen melodischen Gegenpol zu den düsteren Momenten des Albums und zeigt Angel Du$t von ihrer zugänglichsten Seite.
Finale Eskalation
Der wohl dramatischste Track des Albums. Mit fast gospelartiger Atmosphäre und epischem Aufbau ist „Man On Fire“ einer der ungewöhnlichsten Songs der Platte – auch wenn die Experimente hier nicht ganz so zwingend wirken wie auf anderen Tracks.
Ein kurzer, aggressiver Hardcore-Song über Frustration und Rachefantasien ist „The Knife„. Der Track wirkt wie ein letzter, wütender Aufschrei vor dem Finale.
Der Abschluss ist gleichzeitig einer der härtesten Songs der Platte. „The Beat“ verbindet brutale Gitarren mit einer treibenden Rhythmussektion und bringt das Album mit einem finalen Hardcore-Punch zu Ende.
Fazit
Mit Cold 2 The Touch gelingt Angel Du$t eine überzeugende Balance zwischen Hardcore-Wurzeln und stilistischer Experimentierfreude. Das Album ist kurz, direkt und voller Energie, überrascht aber immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen – von akustischen Passagen über Southern-Rock-Einflüsse bis hin zu funkigen Breakdowns.
Gerade diese Mischung aus Chaos, Kreativität und kompromissloser Attitüde macht die Platte zu einem der spannendsten Hardcore-Releases des Jahres. Angel Du$t beweisen einmal mehr, dass sie sich musikalisch ständig weiterentwickeln können, ohne ihre Szene-DNA zu verlieren.
RIOT VISION Wertung: 8 / 10





