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Himitzu – Exhale The Past // Inhale The Future

Manchmal fühlt sich Erwachsenwerden nicht nach Fortschritt an, sondern wie Rückwärtslaufen durch die eigene Geschichte. Genau dieses Gefühl zieht sich durch das Debüt von HIMITZU – und macht „EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ (VÖ: 09.04.) zu mehr als nur einer weiteren Alternative-Platte.

Albumcover: Exhale The Past // Inhale The Future

Das hier ist kein Album, das dir Antworten gibt. Es hält dir eher den Spiegel hin – und bleibt dann einfach stehen.

Die Ruhe(?) vor dem Sturm!

Schon der Einstieg mit „LITTLE GIRL“ zieht dich direkt rein. Diese Mischung aus fragiler Ruhe und plötzlicher Wucht funktioniert sofort, vor allem, weil hier nichts gekünstelt wirkt. Spätestens bei „PREDATOR“ wird klar, warum der Track 2025 so durch die Decke gegangen ist: Der Song hat diesen seltenen Sweet Spot aus Catchiness und Druck, der live nochmal ganz anders eskaliert. Wer HIMITZU schon mal als Support für Flash Forward oder aktuell mit VINTA gesehen hat, weiß genau, was gemeint ist.

Dem Tagebuch lauschen…

Was das Album aber wirklich trägt, ist seine Ehrlichkeit. HIMITZU verstecken sich nicht hinter Metaphern, wenn es um Mental Health, Verlust oder toxische Dynamiken geht. Stattdessen fühlt sich vieles so an, als würde man in ein sehr persönliches Tagebuch reinhören – nur dass es plötzlich mit voller Band einschlägt. Diese Nähe zieht sich sogar bis ins Visuelle: handgeschriebene Lyrics im Artwork, DIY-Attitüde statt glattgebügelter Ästhetik. Das ist kein Gimmick, das ist Haltung.

Ein großer Teil dieser Wirkung geht auch auf Sängerin Marisa zurück, die mit ihrer Stimme und spürbaren Zerbrechlichkeit durch das gesamte Album trägt. Sie schafft es mühelos, zwischen leisen, verletzlichen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen zu wechseln – gerade diese Dynamik sorgt dafür, dass die Songs durchweg glaubwürdig rüberkommen.

Photo: Marla Wippich / Pressefoto

Einatmen – Tanzbar, Atmosphärisch und Druckvoll

Tracks wie „GASOLINE“ oder „SIREN“ zeigen, wie mühelos die Band zwischen Intimität und modernen, fast schon tanzbaren Momenten switcht, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Mit „HAUNTED“ wird es dann deutlich atmosphärischer: Der Song wirkt fast schwebend, baut auf dichten Flächen und lässt Marisa viel Raum für ihre Melodieführung, bevor er sich in experimentellere, leicht verzerrte Vocals auflöst. „NEVERMORE“ geht einen anderen Weg und setzt stärker auf Druck – eine kompakte Wand aus Sound, die zeigt, dass HIMITZU auch die größeren, intensiveren Arrangements souverän tragen können.

Und dann sind da diese Momente, die wirklich hängen bleiben: „TREAT ME BAD (LIKE I’M NO ONE’S DAUGHTER)“ trifft emotional härter als man erwartet, während „MY LOVE“ dich komplett ausbremst – still, schwer und unangenehm ehrlich. Absoluter Gänsehaut Moment!

Ausatmen – Kritsch, Ehrlich und mit Verstärkung

Dass HIMITZU auch anders können, zeigt „HUM4N 3RR0R“. Der wohl aggressivste Track des Albums kommt mit einem Feature, das man so nicht unbedingt kommen sieht: Fabian Jochum von The Narrator bringt genau die rohe Energie rein, die der Song braucht, ohne ihn zu überladen. Inhaltlich geht’s hier raus aus dem Persönlichen und rein in gesellschaftliche Spannungen – und trotzdem bleibt es greifbar.

Was zusätzlich hängen bleibt: Die Band funktioniert nicht nur auf Platte. Die Live Sessions zu „LITTLE GIRL“ und „HUM4N 3RR0R“ auf YouTube zeigen ziemlich deutlich, dass das hier keine Studio-Illusion ist, sondern auch außerhalb davon trägt. Mit der Zusammenarbeit mit Uncle M ist zudem ein weiterer Schritt in Richtung nächstes Level gemacht. Der Release-Abend im Druckluft Oberhausen mit VINTA steht noch an – wirkt aber jetzt schon wie genau der richtige Rahmen für dieses Album.

Fazit:

„EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ ist kein perfektes Album – aber genau das macht es so gut. Es ist roh an den richtigen Stellen, zugänglich ohne beliebig zu sein und emotional, ohne sich im Pathos zu verlieren.

Für ein Debüt ist das hier verdammt selbstbewusst.

9/10

HIMITZU stehen ziemlich offensichtlich erst am Anfang. Aber wenn das hier die Basis ist, dann sollte man sie definitiv auf dem Schirm behalten. Da geht noch einiges.

HIMITZU – Live 2026
09.04.2026 – Oberhausen – Druckluft + (Album-Release-Show)
10.04.2026 – Leipzig – Bandhaus +
11.04.2026 – München – Backstage +
12.04.2026 – Frankfurt – Nachtleben +
16.05.2026 – Wesel – Eselrock
12.09.2026 – Kamp-Lintfort – Klangrevier Festival
+ mit VINTA

Info
7. April 2026 
22:24 Uhr
Band
Himitzu
Genre
Alternative-Metal Alternative-Rock
Autor/en

 Leon

Fotocredit/s
Marla Wippich
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