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Gaerea – Loss

Gaerea gehören zu den faszinierendsten und zugleich mysteriösesten Erscheinungen der modernen Extrem-Metal-Szene. Gegründet 2016 in Portugal, machte die maskierte Gruppe schon früh mit ihrer intensiven Mischung aus Black Metal, Post‑Elementen und emotionaler Schwere auf sich aufmerksam. Wo andere Bands auf Tradition setzen, formte Gaerea von Beginn an einen eigenen Sound.

Mit „Loss“ kehren Gaerea zu einem Punkt zurück, an dem Extreme nicht nur musikalisch, sondern emotional neu ausgelotet werden. Das Album, das am 20. März 2026 über Century Media erscheint, markiert für die portugiesische Maskenformation einen weiteren Schritt in ihrer fortlaufenden Transformation.

  1. Luminary
  2. Submerged
  3. Hellbound
  4. Uncontrolled
  5. Phoenix
  6. Cyclone
  7. LBRNTH
  8. Nomad
  9. Stardust

Die Transformation beginnt:

„Luminary“ eröffnet „Loss“ mit eindrucksvollen, wuchtigen Drums und setzt damit früh den ersten Maßstab für das Album. Der Song besticht durch eindringliche Vocals, messerscharfe Riffs und eine Atmosphäre, die sofort episch wirkt. Musikalisch orientiert sich die Band hier klar verstärkt Richtung Metalcore, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Die markanten, verzweifelt klingenden Shouts bleiben weiterhin das Fundament des Sounds.

Ihr wollt es episch? Ihr bekommt es episch:

Mit „Submerged“ präsentierte die maskierte Truppe aus Portugal den ersten Vorgeschmack auf das, was „Loss“ werden sollte. Der Song vereint Melancholie und brachiale Gewalt zu einem erdrückenden Gesamtbild, das sich wie ein kalter Sturmwind über einen ergießt.
Der Refrain, keiner zum mitsingen, sondern zum mitschreien, sorgt bei mir jedes Mal für pure Gänsehaut:

I’m submerged, oh can’t you see
The waves of my past are the chains on me
I’m submerged, with nowhere to go
I’m drowning in the past of what I used to know

Im Mid-Part hören wir zum ersten, aber definitiv nicht zum letzten Mal auf diesem Album, den überraschend emotionalen Cleangesang des unbekannten Sängers. Diese Stimme trägt eine Tiefe in sich, wie ich sie nur selten in diesem Genre erlebt habe.

Back to the roots:

Gaerea sind tief im Black Metal verwurzelt und „Hellbound“ führt uns genau dorthin zurück. Aggressiver, schneller, kompromissloser als sein Vorgänger.
Der Clean-Gesang bleibt komplett aus; stattdessen dominieren Blast-Beats, rasende Gitarren und markerschütternde Shouts.
Trotz der brutalen Härte transportiert der Song enorme emotionale Wucht, vor allem durch seine Lyrics:

You say you love me, but I know the truth
I’m just the bullet in the gun that you use
You say you need me, but I know the truth
I’m just the ghost you can’t cut loose
I crave the pain, I crave the fight
Dancing on the edge of a knife
Sinking smoke, choking lies
But I can’t let go; I don’t know why

Unkontrollierte Gewalt:

Mit „Uncontrolled“ schalten Gaerea noch einen Gang höher. Was hier passiert, ist pure Eskalation: schnell, explosiv, erbarmungslos.
Für mich ist das der härteste Track des Albums, und gleichzeitig einer der prägendsten.
Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass Gaerea aus Black Metal und Metalcore ein völlig neues Genre für sich selbst geformt haben.

Wie man diesen Stil nennt?
Ganz einfach: Gaerea.

„Blegh“?

„Phoenix“, ebenfalls vorab veröffentlicht, schlägt ab Sekunde eins direkt zu. Die Vocals wirken eindringlicher denn je, die Melodien emotionaler, und doch bleibt die Intensität kompromisslos. Der musikalische Wandel der Band wird hier besonders deutlich hervorgehoben. Es gibt sogar ein „Blegh“!

Der Song fühlt sich an wie ein Befreiungsschlag, eine Explosion aus Zorn, Klarheit und Erneuerung.
Als würde jemand endlich wieder atmen können.

Shout it loud,
I’m the leader of this fight,
I’ve survived,
And I’m reaching for the light.
No more chains,
No more shadows in my way,
I ascend,
And you know I’m here to stay.

Pure Emotionen:

Eine der größten Überraschungen des Albums ist für mich „Cyclone“.
Der Song beginnt mit reinem, fast verletzlich wirkendem Klargesang – wunderschön und voller emotionaler Schwere.

I am lost in the spaces where the light used to be …

Nach knapp einer Minute bricht der Song auf, Schmerz ersetzt die Gewalt, Emotion ersetzt Brutalität.
Cyclone“ zeigt Gaerea von ihrer vielleicht menschlichsten Seite.

„LBRNTH/Nomad“:

„LBRNTH“ dient mit seinen 2:24 Minuten als atmosphärisches, instrumentales Intro für „Nomad“. Zweiterer startet mit fetten Blast-Beats in Geschehen. „Nomad“ geht ordentlich nach vorne, vergisst aber nicht den catchy Refrain.
Man stelle sich diesen Song in einer großen Konzerthallte vor. Wahnsinn!

“The Nomad is the individual who goes through life at a constant moving pace just to avoid facing oneself—physically drifting, but emotionally running from guilt, self-doubt, and a fear of becoming something to despise. At its core, it’s a confession of alienation: a nomad not by choice, but by self-punishment and inner collapse”

Die große Überraschung zum Schluss:

Der finale Track „Stardust“ setzt Maßstäbe.
Zu Beginn könnte man fast glauben, Vessel von Sleep Token hätte sich auf das Gaerea-Album verirrt, doch es ist tatsächlich weiterhin die unverkennbare Stimme hinter der Maske von Gaerea.

Nur Gesang und Klavier.
Ein Moment völliger Verletzlichkeit, wie man ihn von einer Black-Metal-Band niemals erwarten würde.

Nach rund zweieinhalb Minuten explodiert der Song in eine epische Klangwelt aus Melodie, Instrumentaldruck und purer Emotion.
Ein Finale, das nicht nur passt sondern sich verdient anfühlt.

Fazit:

Das letzte Album, das mich emotional so stark mitgerissen hat, war „Kin“ von Whitechapel. Doch Gaerea setzen mit „Loss“ ihren eigenen Maßstab, vielleicht sogar ihr Opus Magnum.

Das Album vereint Schmerz, Hoffnung, Selbstzerstörung und Erneuerung zu einem Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht.
Gaerea klingen wie keine andere Band. Niemand sonst verkörpert diese kompromisslose Mischung aus Black Metal, Metalcore, avantgardistischer Melancholie und zutiefst persönlicher Tragik so authentisch und intensiv wie sie. Was dabei entsteht, ist kein klassisches Genre mehr, es ist ein völlig eigenes Klanguniversum, das sich jeder Einordnung entzieht und doch sofort als Gaerea erkennbar ist.

Ich bin überzeugt, dass „Loss der Band endgültig die großen Bühnen Europas und der Welt öffnen wird.

10/10 Punkte – ohne jede Diskussion.

Am Ende lässt sich nur sagen: „We Are Gaerea“.

Ich kann jedem nur empfehlen sich die Band Live an zusehen:

Info
16. März 2026 
9:42 Uhr
Band
Gaerea
Genre
Black Metal Metalcore
Autor/en

 Maik

Fotocredit/s
Chantik Photography
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