Interview

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BIRD´S VIEW – Über dem Chaos

Mit Above Chaos steht das neue Album von BIRD´S VIEW in den Startlöchern – und schon vorab wird klar: Die Band zeigt sich roher, direkter und emotionaler denn je. Zwischen Punk-Attitüde, Alternative-Einflüssen und einer gehörigen Portion „No Fucks Given“ liefern sie einen Sound, der genauso ungefiltert ist wie die Gedanken dahinter. Wir haben mit Sänger Niko über Chaos, kreative Prozesse und die Energie zwischen Studio und Bühne gesprochen.

Euer neues Album Above Chaos steht kurz vor der Veröffentlichung – wenn ihr den Titel in einem Satz erklären müsstet: Was bedeutet „über dem Chaos stehen“ für euch persönlich?
Für uns bedeutet das, durch die ganzen Dinge, die rund um dich herum passieren, einen Weg zu finden, mit all dem Negativen und Chaotischen umzugehen.

Im Vergleich zu House of Commando wirkt das neue Material deutlich roher, direkter und emotionaler. War das eine bewusste Entscheidung oder eher ein natürlicher Prozess?
Ich glaube, ein Teil des Prozesses im Studio war es, sich nicht zurückzuhalten. Einfach das rauszulassen, was man gerade auf der Seele hat und was man auch in dem Moment feiert. Nimm das schiefe und völlig dissonante Gitarrensolo auf, auch wenn es niemand checken wird. Doppelt die sechste Gitarrenspur, weil es einfach fett klingt. Scheiß mal aufs Nachdenken und handle aus dem Bauch heraus. Das hört man, glaube ich.

Ihr beschreibt eure Musik als Mischung aus Alternative Rock und Punk-Attitüde – wo verortet ihr euch selbst aktuell innerhalb dieses Spektrums?
Das ist immer eine schwierige Aufgabe, sich selbst in irgendeine Genre-Schublade zu packen. Wir haben beim Schreiben und auch beim Recorden viele Punk-Platten gehört, und das hört man unweigerlich auf Above Chaos. Aber der Mix aus Alternative Desert Rock und Good-Old-Downstroke-Punk-Gitarren ist ziemlich auf den Punkt gebracht.

Mit Kurt Ebelhäuser habt ihr erneut einen sehr erfahrenen Produzenten an Bord gehabt. Wie hat er euren Sound auf Above Chaos konkret beeinflusst?
Kurt hat einen sehr eigenen Style, den wir alle feiern: weirde Melodien, die einfach einen melancholischen Touch haben – der nicht nach „Oh, ich bin so traurig“ klingt, sondern nach Melancholie mit Eiern. Und das habe ich früher schon auf den Blackmail-Scheiben so gefeiert. Unsere rohe und emotionale Schreiben bei dieser Platte hat er, glaube ich, nochmal sehr gut unterstützt, mit der Art, wie er an Writing und Arrangements rangeht. Da ist diese No-Fucks-Given-Coolness, aber gleichzeitig mit dem Anspruch, die bestmögliche Platte zu machen.

Viele Songs wirken wie Momentaufnahmen – sehr unmittelbar und ungefiltert. Wie entsteht bei euch ein Song: eher Jam, Konzept oder persönliche Geschichte?
Viele Songs sind bei Soundchecks aus Riff-Ideen entstanden, auf denen wir dann so rumgejammt haben. Und nach und nach hatten wir viele Ideen, an denen wir oldschool im Proberaum gemeinsam weitergeschraubt haben. Das Coole ist, dass wir oft zusammen schauen, was funktioniert und was nicht. Und am Ende „gewinnt“ die beste Idee.

In Tracks wie „Colors Of A Day“ geht es um eine zunehmend passive Gesellschaft. Wie wichtig ist euch gesellschaftliche Kritik in eurer Musik?
Man sollte klar und deutlich darüber sprechen, was einem nicht passt. „Colors of a Day“ ist so ein Song, der beschreibt, dass man einfach manchmal den Arsch in der Hose haben muss, Dinge zu riskieren. Klar, man fällt auf die Fresse, und das tut manchmal echt weh, aber lieber so, als nur passiv dazusitzen und zu warten, bis der Tag rum ist und du einfach nur von allem mitgerissen wurdest, ohne selbst irgendetwas zu machen.

Der Albumtitel suggeriert einen inneren wie äußeren Konflikt. Welche „Form von Chaos“ hat euch beim Schreiben am meisten beschäftigt?
Es passiert so viel um dich herum. Gutes wie Schlechtes. Und parallel dazu hast du unzählige Gedanken, Ideen und Dinge, mit denen du dich beschäftigst und von denen niemand etwas weiß. Diese Platte beschreibt den Weg, in all diesem Lärm deinen eigenen roten Faden zu finden. Wir waren viel unterwegs und die Platte beschreibt, wie wir mit all dem Chaos versuchen umzugehen.

Gibt es einen Song auf dem Album, der für euch emotional besonders heraussticht – und warum?
„No Name Rooms“ ist so ein Track. Es gibt so viel in diesem Business, was nichts mit Musik zu tun hat und einen manchmal wirklich enorm abfucken kann – sodass ich dann manchmal in irgendeinem Hotelzimmer gesessen habe und mir dachte, warum man sich den ganzen Scheiß hier überhaupt gibt. Und dann fängt man an, darüber nachzudenken und zu reflektieren. Und am Ende ist Mukke machen das Beste, was es gibt: in irgendwelchen kleinen, schwitzigen Clubs eine Stunde lang viel zu laute Gitarren-Amps zu spielen und völlig erschöpft von der Bühne zu gehen.

Ihr habt im Vorfeld ungewöhnlich viele Singles veröffentlicht. Was war eure Strategie dahinter – und wie schwierig ist es, trotzdem noch Überraschungen fürs Album zu bewahren?
Wir sind in einer komischen Zeit. Wenn du in unserer Größe ein Album rausbringst und zwei Singles releast, schickst du das Album auf den Streaming-Plattformen irgendwie zum Sterben. Dramatischer Ausdruck, haha, aber genau dieses Gefühl hatten wir beim letzten Mal ein bisschen. Ob das der richtige Weg ist, keine Ahnung … Aber es hat sich zum jetzigen Zeitpunkt irgendwie richtig angefühlt.

„Ways To Fail“ ist eine der letzten Singles vor Release – was macht diesen Song zu einem guten „Vorboten“ für das Gesamtalbum?
Ballert! „Ways to Fail“ ist soundtechnisch ein guter Querschnitt vom Album. Der Track hat eine gewisse Zerbrechlichkeit, aber das Riff knallt trotzdem mega rein. Und da sind wir immer Fans von: dynamischer Aufbau, und am Ende eskaliert es komplett …

Eure Musik lebt extrem von Energie und Direktheit. Wie wichtig war es für euch, dass sich diese Live-Intensität auch auf der Platte widerspiegelt?
Das ist immer ein großes Thema: Wie fangen wir diese völlige Hyperaktivität und Energie, die wir live haben, auf Platte ein? Aber das haben wir mit Above Chaos glaube ich gut hinbekommen. Auch wieder ein Beispiel dafür, dass wir uns auf dem Album nicht zurückgehalten haben, sondern einfach alles rausgelassen haben. Einfach draufhauen, haha…

Direkt zum Release geht ihr auf Tour – worauf dürfen sich Fans bei der Above Chaos-Tour besonders freuen? Gibt es etwas, das ihr live anders machen wollt als bisher?
Ich glaube, die Shows werden noch intensiver. Unsere Konzerte leben von völliger Verausgabung (im positiven Sinn). Wenn du nicht total platt aus dem Club gehst, hast du was falsch gemacht. Ich hoffe, das kriegen wir mit unseren Release-Shows hin. Also kommt rum!

Info
5. Mai 2026 
11:22 Uhr
Band
Bird´s View
Genre
Alternative-Metal Post-Hardcore Punk
Autor/en

 Seb

Fotocredit/s
Axel Kollmenter
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