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FIRE IN THE ATTIC – „One More Chance To Dance“

16 Jahre später: Zwischen Nostalgie, Chaos und einem Abend, der alles bedeuten kann – oder nichts muss

Es gibt Comebacks – und dann gibt es diese eine Sorte, mit der man eigentlich nicht mehr rechnet. Fire in the Attic gehören genau in diese Kategorie. Über ein Jahrzehnt Funkstille, nie offiziell aufgelöst, aber irgendwie auch nie wirklich da gewesen.

Jetzt steht fest: Am 27. Dezember 2026 spielt die Band ihre erste Show seit 2010 – und gleichzeitig die größte Headline-Show ihrer Karriere im Gloria in Köln.

Wir haben mit Ole Feltes und Dennis Müller gesprochen – über Streaming-Abrechnungen im Centbereich, Muskelgedächtnis, alte Tourgeschichten und die alles entscheidende Frage: Ist das hier ein einmaliges Ding?

RIOT VISION: Nach über 16 Jahren ohne gemeinsame Liveshow: Warum genau jetzt?

Dennis: Dass wir uns damals nicht aufgelöst, sondern nur eine „Pause“ eingelegt haben, lag auch daran, dass die Band Teil unserer Identität war. Aber hättest du mich bis etwa 2022 nach FIRE IN THE ATTIC gefragt – ich hätte nur abgewunken. Man ist weitergezogen, andere Dinge wurden wichtig. Ich wurde eigentlich nur durch halbjährliche Streaming-Abrechnungen im Centbereich daran erinnert, dass es die Band mal gab.

Ole: Du schuldest mir noch 5,65 €!

Dennis: Das sind ja alle Einnahmen der letzten 15 Jahre?!

Ole: Korrekt. Gerne per PayPal. Danke.

RIOT VISION: Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr daran denkt, wieder gemeinsam auf einer Bühne zu stehen?

Ole: Aktuell ist es eine Mischung aus Überforderung und Vorfreude. Man vergisst, wie viele Automatismen da ineinandergreifen müssen. Ein paar funktionieren nach 18 Jahren erstaunlicherweise noch wie von Geisterhand. Ob „Show spielen“ wirklich wie „Fahrrad klauen“ ist, sehen wir am 27.12. Ich werde auf jeden Fall UNFASSBAR aufgeregt sein.

Dennis: Ich habe einfach unfassbar Bock. Seit wir das erste Mal darüber gesprochen haben, bin ich heiß drauf. Ich hab das leider auch nie wirklich geheim gehalten und ständig Leuten davon erzählt. Für mich ist das pure Vorfreude – ich will aber auch nicht, dass der Moment zu schnell vorbei ist.

RIOT VISION: Ihr spielt eure größte Headline-Show im Gloria in Köln. Was bedeutet euch dieser Abend?

Ole: Ich glaube, weder Abschluss noch Neuanfang. Bis vor kurzem war das eine fixe Idee – jetzt schwanke ich zwischen Freude und Ungläubigkeit. Es ist eher Nostalgie und ein bisschen „Nach-Hause-Kommen“.

Dennis: Für mich zählt gerade nur dieser Abend. Über alles andere denke ich danach nach.

RIOT VISION: Was erwartet die Fans musikalisch?

Ole: Ich hatte gehofft, wir passen die Setlist an meinen Fitnessstand an – also nur Instrumentals und zwei ruhige Songs mit Pausen dazwischen. Nein?

Dennis: Es wird vielleicht die eine oder andere Überraschung geben, aber im Kern wird es eine Show wie früher. Also: Chaos. Wahrscheinlich ziehe ich Ole im zweiten Song den Bass über den Schädel und Richards Gitarre geht kaputt.

Ole: Wichtig: Zwischen den Tagen ist die Ambulanz unterbesetzt. Vielleicht geht dieses Mal einfach nur die Gitarre kaputt – ohne meinen Schädel einzubeziehen.

RIOT VISION: Wenn ihr auf eure Zeit zwischen 2004 und 2009 zurückblickt – auch mit Touren mit Bands wie Alexisonfire oder Billy Talent – was wirkt heute surreal?

Ole: Weniger die einzelnen Ereignisse, eher die Frequenz. Alles kam gleichzeitig. Und wie selbstverständlich ich das damals genommen habe – als würde die Sonne meinetwegen aufgehen.

Dennis: Wenn ich heute davon erzähle, kann ich selbst kaum glauben, was wir alles erlebt haben. Wir waren irgendwie im Auge des Sturms – und haben gar nicht richtig verstanden, was da passiert.

RIOT VISION: Ihr habt euch musikalisch weiterentwickelt, u. a. mit KMPFSPRT. Wird das Einfluss haben?

Ole: Ich hoffe, dass die KMPFSPRT-Routine der „Meyer-Müller“-Fraktion uns den Karren aus dem Dreck zieht.

Dennis: Ich bin definitiv ein besserer Musiker geworden. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, wo das F auf dem Griffbrett ist. Aber etwas mehr Tightness sollte inzwischen da sein.

RIOT VISION: Die Emo- und Post-Hardcore-Szene erlebt gerade wieder mehr Aufmerksamkeit – passt ihr da rein?

Ole: Keine Ahnung. Ich bekomme solche Trends ungefähr so zuverlässig mit wie Halbzeitergebnisse der südwestdeutschen Volleyball-Liga.

Dennis: Ich nehme das schon wahr, aber unsere Idee ist unabhängig davon entstanden. Wenn der Sound wiederkommt – umso besser.

RIOT VISION: Ist „One More Chance To Dance“ wirklich einmalig?

Ole: Ja – eine Show am 27.12.26. Für alles danach bräuchten wir einen neuen Namen. Die Einmaligkeit war von Anfang an wichtig. Wir machen das nicht wie die Scorpions.

Dennis: Eine Vollzeitband wird das sicher nicht mehr. Wir konzentrieren uns auf diesen Abend – und haben noch viel Arbeit vor uns. Aber ich würde auch nicht mehr sagen, dass es für immer vorbei ist. Dafür habe ich zu viele „letzte Touren“ gesehen.

Ole: Ich habe tatsächlich auf drei Abschiedstouren von Samiam gespielt… also: sag niemals nie.

RIOT VISION: Was möchtet ihr euren Fans mitgeben?

Dennis: Die Show ist ein großes „Danke“ an alle, die uns damals unterstützt haben. Wir haben vieles als selbstverständlich angesehen und konnten gar nicht oft genug Danke sagen.

Ole: Genau das. Und danke für’s Interview! 🙂

Fire in the Attic sind zurück – zumindest für einen Abend. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man diesen Abend nicht verpassen sollte.

Am 27. Dezember wird aus einer „Pause“ plötzlich wieder ein Moment – vielleicht nur für einen Abend, vielleicht für immer im Kopf. Wenn ihr Teil davon sein wollt, solltet ihr nicht lange zögern: Holt euch ein Ticket, kommt ins Gloria nach Köln und gebt Fire in the Attic genau diese eine Chance zu tanzen.

Info
21. April 2026 
12:47 Uhr
Band
Fire In The Attic
Genre
Autor/en
Fotocredit/s
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