Zehn Jahre ENGST – das bedeutet eine Dekade voller Energie, Haltung und ehrlicher Musik zwischen Punk, Rock und klaren Botschaften. Pünktlich zum Jubiläum meldet sich die Band nicht nur mit dem Song „Auf die nächsten zehn“, sondern auch mit einem neuen Album zurück, das überraschend reflektiert und positiv klingt, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Wir haben mit Sänger Matze über Entwicklung, Emotionen, Druck und die Bedeutung von „Gute Laune“ gesprochen.
RIOT VISION: Zehn Jahre ENGST – wenn du an den Anfang zurückdenkst: Was hat sich stärker verändert – die Band oder du selbst als Mensch und Songwriter?
Matze: Klar verändert man sich individuell über die Jahre, aber wenn man eine Band ist, wächst man an den Herausforderungen automatisch als Gemeinschaft. Veränderung ist lebenswichtig. Aber wir können sagen, dass wir über die Jahre gelernt haben, nicht mehr alles zu zerdenken, sondern einfach das zu machen, worauf wir Bock haben.
RIOT VISION: Ihr habt mit „Auf die nächsten zehn“ bewusst einen Dankes-Song zum Jubiläum veröffentlicht. Gab es beim Schreiben einen Moment, der dich emotional besonders erwischt hat?
Matze: Diese Momente gibt es zu Hauf – und zwar in allen Songs. Man macht sich immer nackt und somit emotional angreifbar. Aber grundsätzlich ist der Song eine sehr emotionale Dankeshymne, weil wir ohne unsere Fans es erst gar nicht so weit geschafft hätten.
RIOT VISION: Die letzten Alben wie Flächenbrand und Irgendwas ist immer waren eure bisher größten Charterfolge. Spürt man dadurch Rückenwind – oder wächst damit auch der innere Druck?
Matze: Ganz ehrlich, die Charts sind uns relativ egal. Es ist schön zu sehen, dass so viele Menschen unsere Alben kaufen und streamen, aber wir schreiben Songs, auf die wir Bock haben, und singen von Themen, die uns etwas bedeuten. Wenn wir Chartplatzierungen als Ziel hätten, wären wir nicht ENGST. Außerdem weiß man nie, wer alles in der Chartwoche released – das ist immer ein bisschen wie Lotto spielen. Also nein: kein Druck!
RIOT VISION: Das neue Album Gute Laune klingt reifer, positiver, aber nicht naiv. Was bedeutet „Gute Laune“ für dich heute – und was bedeutet es ganz bewusst nicht?
Matze: Gute Laune bedeutet, mit sich innerlich im Reinen zu sein. Ein wenig das Kind in sich zu wecken und nach vorne zu schauen. Unbeschwert das nächste Ziel im Auge zu haben, auf das man sich freut. Was es nicht bedeutet: gute Miene zum bösen Spiel. Also so tun, als ob es einem gut geht, obwohl das nicht der Fall ist. Man darf auch schlechte Laune haben – offen und ehrlich. Das ist ganz wichtig.
RIOT VISION: ENGST stehen seit jeher für Haltung, Zusammenhalt und klare Worte. Hast du das Gefühl, dass diese Werte heute wichtiger sind als noch vor zehn Jahren – oder schwerer zu vermitteln?
Matze: Nein, leider sind diese Werte heute genauso wichtig wie damals. Jede Generation muss von neuem auf Probleme unserer Gesellschaft hingewiesen werden – deswegen werden wir nicht aufhören, sie rauszuschreien. Schwerer zu vermitteln sind Werte nicht wirklich, es kommt aber natürlich immer darauf an, wer zuhört.
RIOT VISION: Du hast einmal gesagt, dass ihr alles erlebt habt – von 30-Leute-Clubs bis zu großen Festivals. Gibt es eine Show oder eine Phase, die dich rückblickend besonders geprägt oder sogar verändert hat?
Matze: Das ist eine wirklich tiefgehende Frage. Um die ausführlich zu beantworten, müssten wir ein Buch schreiben. Aber um es kurz zu halten: Eine einzelne Phase oder Show prägt einen nicht in dem Ausmaß, dass sie alles verändert. Es ist einfach die Zeit, die einen prägt – alles in allem. Nach jeder schlechten Show kommt eine gute, nach jeder guten wieder mal eine schlechte. Das Wichtigste ist, dass man weitermacht. Und das geht nur mit einem starken Team an seiner Seite, mit Vertrauen und ganz viel Liebe zur Musik.
RIOT VISION: Punkrock wird oft mit Wut verbunden. Auf Gute Laune wirkt vieles reflektierter, fast versöhnlich. Ist das ein Zeichen von Frieden – oder eher von einer anderen Form von Kampf?
Matze: Punk ist viel mehr als nur Wut oder Kampf. Man kann Punk nicht mit einem Wort oder einer Emotion beschreiben. Punk kann alles sein. Punk ist eine Lebenseinstellung.
RIOT VISION: Die Jubiläumstour läuft von Dezember 2025 bis weit ins Jahr 2026. Was macht eine gute ENGST-Show heute aus – und was ist dir auf der Bühne wichtiger geworden als früher?
Matze: Das Wichtigste ist immer – und das wird auch immer so bleiben –, dass wir als Band Spaß auf der Bühne haben. Wenn das der Fall ist, wird die Show großartig und alle werden Spaß haben.
RIOT VISION: Eure Fans spielen in eurer Geschichte eine riesige Rolle. Gab es in den letzten zehn Jahren Begegnungen oder Nachrichten, bei denen dir klar wurde, warum ihr das alles macht?
Matze: Das werden wahrscheinlich alle Bands sagen, aber unsere Fans sind die Besten. Ohne sie wären wir nichts! Die Gemeinschaft, der Zusammenhalt und der Zuspruch geben uns tagtäglich Kraft – und das basiert voll auf Gegenseitigkeit. Wir waren schon immer eine fan-nahe Band, und das wird sich auch nicht ändern.
RIOT VISION: „Auf die nächsten zehn“ klingt wie ein Versprechen. Wenn wir dieses Interview 2035 führen würden – was müssten ENGST erlebt haben, damit du sagen kannst: Ja, das war genau der richtige Weg?
Matze: Was noch kommt, weiß niemand. Dennoch ist es definitiv ein Versprechen! Wenn ich uns zitieren darf: „Wir werden bleiben, ganz egal was da noch kommt. Nichts hält uns auf wie ein Orkan – und das war gerade erst der Anfang!“
Also: Geht auf die Tour, schreit die Songs mit, lebt den Moment – und stoßt gemeinsam mit ENGST auf die nächsten zehn Jahre an.





