Review

Review

Review

Exploring Birdsong – Every House We Built

Das Trio aus Liverpool, geschaffen von Vocalist / Pianistin Lynsey Ward, Bassist Jonny Knight und Schlagzeuger Matt Harrison, das zusammen Exploring Birdsong bildet, veröffentlicht am 26.06.2026 (via Long Branch Records) ihr Debüt-Album Every House We Built. Diese Platte stellt Verbindungen aus diversen Genres dar und somit ist es nicht einfach, die Band in eine Schublade zu stecken. Dennoch; Progressive Rock meets Alternative und Pop würden es wohl gut zusammenfassen.

Über die Veröffentlichung erzählt die Formation folgendes und dann geht es auch schon mit der Kritik weiter:

„’Every House We Built‘ ist eine Auseinandersetzung mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Ob Freundschaften, familiäre Bindungen oder romantische Beziehungen – zum ersten Mal haben wir aus unseren eigenen Erfahrungen heraus geschrieben, anstatt eine bestehende Geschichte oder ein Konzept zu vertonen.“

Wir thematisieren, wie unsere Beziehungen kommen und gehen, ganz ähnlich wie Häuser. Es braucht Zeit, sie sorgfältig zu sicheren, liebevollen Räumen aufzubauen, aber es bedarf kaum eines Augenblicks, um sie zu zerstören.“

Tracklist:
01. Archipelago
02. 42
03. Romanticise
04. Footprints
05. Arrhytmia
06. Spy In The House Of Love
07. I_You
08. The Warning
09. You Like It Best When It Hurts
10. Cartography
11. Every House We Built
12. Meadowlands

Eine Inselgruppe gefüllt mit Leben

Mit insgesamt 12 Tracks bieten Exploring Birdsong allerhand Texturen der Musik. Bei „Archipalego“ bekommt man mit Meeresrauschen, Piano und Lynsey Ward’s Stimme einen zärtlichen Song geboten, bei dem sich bereits die Emotionen abspielen, die noch kommen werden. Erst ruhig und gen Ende explodiert der Track mit einer intensiven Soundwand aus Bass, Schlagzeug und Synthies.

Auf der anderen Seite stehen „42“ und „Romanticise“ als verboten catchy dar. Was Jonny Knight am Bass zusammen mit Matt Harrison am Schlagzeug in „42“ an Rythmen zaubern, lässt jeden Tanzmuffel die Tanzhüften schwingen. Darüber legt sich Lynsey’s warme Stimme, die in Kombination mit den Instrumentals ein erstes Highlight bietet. Kein Wunder also, dass dieser als Single gewählt wurde.

„Romanticise“ steht dem im Nichts nach und hackt sich mühelos in die Ohrkanäle, was nicht zuletzt am überraschenden Breakdown liegt. Ja richtig gelesen, hier und da werden auch diese eingebunden. Allerdings nicht in einem Grad der Härte, wie man es von den heutigen Bands gewohnt ist. Jedoch kommen gerade deshalb diese Einsprinkler umso heftiger daher und das obwohl der Song sich mehr in einer jazzigen Richtung bewegt. Stark!

Fußstapfen die im Herz bleiben

Was das Hörerlebnis der Platte ausmacht ist die voranschreitende Dynamik, welche das Trio zu bieten hat. Schon der Opener hat die Emotionen und damit einhergehenden Ausbrüche etabliert, die mit „Footprints“ und „Arrhytmia“ weiter ausgebaut werden. Es bleibt nach wie vor greifbar und im Ohr, jedoch mit der richtigen Prise an Tiefgang.
Fast schon zurückhaltend und intrinsisch werden die Tracks mit Lynsey’s zärtlicher Stimme und dem Piano in Symbiose mit Synthies begleitet, bis diese langsamen Aufbauten in ein Feuerwerk der Instrumentation münden, bei dem man ganz großes, musikalisches Kino für die Sinne geboten bekommt.

Dann kommt Spy „In The House Of Love“ um die Ecke, welcher mit einem Dudelsack beginnt und sich am Ende herausstellt, dass dieser so klingt, als hätten sich Phil Collins und Kate Bush mit der Intention zusammengesetzt, einen absoluten Banger zu schreiben. Gerade der Einfluss vom Kate Bush kommt nicht von ungefähr, dennn die Band schon verlauten lassen, dass sie stark von ihrem Sound beeinflusst wurden.
Genau dieser Einfluss wird nachfolgendem „I_You“ prägnanter, da das Main Riff eine direkte Referenz zur ‚Hounds Of Love‘ Ära darstellt.

Dynamik zum Dahinschmelzen

Obwohl bis zu diesem Punkt noch 5 Songs ausstehen und man noch lange nicht von einem Ende die Rede ist, fühlen sich diese wie eine ganz eigene Reise an.
Die zweite Hälfte profitiert ungemein von der Erfahrung, ein Album von vorne bis hinten zu hören.

Während man zu Beginn die geballte Bandbreite an Sounds zu hören bekommt, wie diese ineinandergreifen und welche Vision Exploring Birdsong den Hörer*innen wohl vermitteln möchten, fühlen sich die letzten musikalischen Streiche fast schon wie Nachhause kommen an, obwohl man noch nicht weiß, welche Tür das Trio als nächstes durchschreitet.

„The Warning“ öffnet die Pforten zum symphonischen was Erinnerungen an Within Temptation weckt und dabei einen groovy Bass raus hämmert, der in „You Like It Best When It Hurts“ fortgesetzt wird, am Ende in einem fiesen Breakdown mündet und so ziemlich den bis dato den härtesten Track des Trios darstellt.

Als Dach über dem Kopf fügt sich der Titeltrack („Every House We Built“) ein und ist das Aushängeschild der Platte.
Dezente Streicher, Synthies in Symbiose mit Lynsey’s Vocals die sich, wie auch schon auf den restlichen Tracks, förmlich in den Ohren einnisten, bilden nicht nur die Grundpfeiler für den Abschluss „Meadowlands“, sondern öffnen eine weitere Ebene der Nähe, die eine wahnsinnige Atmosphäre servieren.
Gerade diese Nähe, wo sich Schönheit und Verletzlichkeit unausweichlich treffen, trägt das Ende in sich. „Meadowlands“ beweist mit seinem prägnanten Piano und den Wänden an Arrangements, das es sich hier um etwas ganz besonderes handelt, was man einfach selbst gehört haben muss.

Fazit:

Es ist immer wieder schön ein Album zu hören, das einige Genres so gekonnt miteinander mischt, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die Erinnerungen an andere Bands und Künstler*innen weckt, bei dem ein Stück weit Nostalgie durch den Körper fährt und sich gleichzeitig dennoch wie eine komplett neue Erfahrung anfühlt.

Genau das ist „Every House We Built“, bei dem es sich nach wie vor um ein Debüt handelt! Hier gibt es ganz klar eine Empfehlung an alle, die etwas neues, mit einer dezenten Prise von vertrauten Sounds suchen. Dabei habe ich noch nicht mal den lyrischen Umfang behandelt, welcher die gesamte Erfahrung nochmal merklich verdichtet. Ganz einfach gibt es hier 9 von 10 Punkten. Also erkundet mal Exploring Birdsong!

Info
24. Juni 2026 
14:00 Uhr
Band
Exploring Birdsong
Genre
Alternative Rock Progressive Rock
Autor/en

 Jan

Fotocredit/s
Luke Tatlock
Weitere Beiträge